Montag, 9. Dezember 2013

Streichung der Sanktionen im Hartz IV - ein Freibrief für Faule?

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Streichung der Sanktionen im Hartz IV - ein Freibrief für Faule? 

Eines der häufigsten Argumente gegen die Abschaffung der Sanktionen im Hartz IV - / ALG II - System ist dieses:
 Das belohnt doch die Faulen! Die die nicht wollen, bekommen dann alles umsonst und das auch noch in voller Höhe.
 Stimmt.
So ist das.
Allerdings ... - ist es leider unmöglich, sich das Ganze so einfach zu machen.
Von einer Mücke kann man mit Fug und Recht behaupten, sie sei ein Tier.
Von einem Elefanten aber auch.
Oh, und von Eichhörnchen, von Delphinen, von Läusen, von Löwen, von Elstern und von Füchsen.
 Es gibt sogar NOCH ein paar mehr. Aber lassen wir das.
Es ist so. Es gibt faule Menschen. Es gibt auch welche, die nicht gern arbeiten. Und unehrliche, auch die gibt es.
Es gibt auch welche, denen es nichts ausmacht auf Kosten Anderer zu leben.
Z.B. etliche Hedgefond - Manager, Banker, Unternehmer die so schöne Sachen wie Panzer und Granaten, Drohnen und ähnliches Spielzeug herstellen lassen. Solche Leute und einige mehr leben gern auf Kosten anderer Menschen, ziehen ihren Gewinn aus ihren Arbeitern und aus den Taschen der Kund_innen.
 Faule Menschen gibt es auch. Solche, die von Beruf "Sohn" oder "Tochter" sind. Mancherlei Stars und Sternchen. Etc.
Und selbst unehrliche Menschen gibt es. Steuerhinterzieher. Titel - Schwindler. Doktor - Arbeit - Fälscher. Vorteilsnehmer und Bestechliche.
 Alles ehrenwerte Leute letztlich. Angesehen und erfolgreich. Und wenn doch einmal etwas herauskommt - nun ja, ein wenig ein taktischer Rückzug für einige Zeit. Ein Milliönchen Euro als Strafe gezahlt ... Wen "juckt" das schon groß?!

Anders natürlich bei den "Hartzlern" - da kann derlei nicht angehen! Immerhin geht es hier ja nicht um Millionen - sondern um mehrere hundert Euro. Und wenn man schon arm ist - dann  soll man, bitte schön, immerhin gefälligst wenigstens ehrlich sein! So ist das.

Wie gesagt. Es stimmt. Es gibt faule und egoistische Menschen auch unter ALG II - Berechtigten. Wie viele mögen es sein?
 Nun, soweit ich weiß, hat einmal ein politisch tief, tief schwarzer Mensch, der irgendwie halbwegs wichtig war, ins Internet die bis dato höchste aller Schätzungen geflüstert: FÜNFZEHN PROZENT! ... BOAH! Also nur 85% Prozent Unschuldige. Das gibt zu denken, klar.

Bei solchen Behauptungen, also jemand WOLLE nicht - da ist einiges zu bedenken. Und zwar ganz unterschiedliche Dinge.
 Die weiß ich, weil ich recherchiert habe. Und vor allem weil ich lange Jahre Fallmanager war und zuvor auch schon ähnliche Arbeit gemacht hatte.
 Es gibt da z.B. einen Satz, der klingt auf den ersten Blick etwas verzwickt. Ist aber eigentlich gar nicht so schwierig.
 "Nicht - Wollen schließt Nicht - Können NICHT aus!"
Hiermit ist zwingend die Frage verknüpft, ob das jobcenter eine "moralische Anstalt" ist. Ist es nämlich nicht.
 Häufig, nein sehr häufig, werden Äußerungen des "Nicht - Wollens" sanktioniert. Ebenso ein scheinbares (!) Verweigern durch Tun oder Unterlassen. Und das ist selbst unter heutigen Zuständen eigentlich VERBOTEN!
 Selbst in der heutigen, desolaten Lage wäre es eigentlich zwingend, zunächst zu beweisen, dass dieser Mensch das was er soll, auch kann.
 Zu abstrakt? Wahrscheinlich. Ein Beispiel.

Ein männlicher Mensch. Mittleren Alters. 1,95 Meter groß. Etwas kantig auftretend, aber Muttersprache Deutsch und in der Lage sich zusammenhängend zu äußern. Ein Jobangebot. Überraschung: im Call-Center.
 Reaktion des Herrn: "Sind Sie noch gescheit! Ich will nicht da rum reden. Und dann für den mickrigen Lohn! Haben Sie nichts im Freien? Oder in einer Fabrik, oder so? Nein? Ja, egal. Mache ich jedenfalls nicht!"
 Fall erledigt. 30 % Sanktion. 3 Monate lang. Demnach gut 100,- Euro weniger jedes Mal. Von dreihundertnochwas.
 Bestraft wurde: die Äußerung des Herrn.
Denn: KONNTE er im Call - Center arbeiten? Nein. Konnte er nicht. Derlei hat er auch noch nie gemacht. Denn er hat eine mittelstarke soziale Phobie. Auch wenn er den Begriff selber gar nicht kennt. Er weiß nur sehr genau, dass er es nie länger als vielleicht höchstens eine halbe Stunde in einem Zimmer aushält, wenn mehr als ein, zwei andere Personen außer ihm da sind. Dann bekommt er Panik und muss nur noch weg und raus. Egal unter welchem Vorwand. Allein die Vorstellung mit Dutzenden anderer Menschen in kleinen "Kabäuschen" stundenlang in einem Raum zu hocken, treibt ihm den kalten Angstschweiß den Rücken runter. Zugeben - wird er das alles aber nie im Leben! Er ist erwachsen. Er ist ein Mann. Er war immer "der Große". Nee, alles! Aber bloß so was nicht zugeben! Nachher schicken die einen noch zum Irrenarzt!

Das klingt wie ein konstruiertes Beispiel. Ist es aber nicht.
Es gibt viele andere Dinge. Wer zu einem Termin nicht erscheint und den Brief (wird mit normaler Post versandt!) nicht bekommen hat: muss das BEWEISEN! Wie denn? Schon sind jeweils 10% Kürzung für 3 Monate fällig.
 Es gibt larvierte Depressionen, es gibt akute, schwere soziale Krisen, uvm. Gerade in solchen Situationen macht man dann zuweilen tatsächlich "Fehler"...  "Geholfen" bekommt man daraufhin mit einer Sanktion.

Und nein - ich bin weder blond, noch blauäugig. Natürlich gibt es auch diese 15%. Wobei andere, bessere Quellen sich da eher bei Schätzungen von um die 3 - 8 % bewegen, übrigens.
 Ein guter Teil von diesen hat bewusste oder instinktive "Überlebensstrategien". So jemand wird jeden Brief bekommen, bzw. sich selbst immer mal melden. Er wird sich auch im Call - Center bewerben. Ein wenig schmuddelig, ein wenig mit verwaschener Sprache, von der Zeit her sehr knapp, fast unpünktlich. Begeisterung wird er nicht viel zeigen. Er hat sich vorgestellt. Er wird nicht genommen. Er hat wieder seine Ruhe und keine Sanktion.
 Könnte man solche Menschen "überführen"? Widerspruchs- und Gerichtsfest? Vielleicht. Aber selten. Und nur mit immensem Aufwand.

Bei dieser Gelegenheit. Wenn man SEHR ungünstig rechnet, haben wir ca. 4 arbeitslose und verfügbare Menschen - für EINE offene Stelle.
Selbst wenn man da nochmals einen abziehen würde (wg. "faul" und sonstiges). Dann wären es noch immer 3. Drei, die willig, arbeitslos und verfügbar sind!
 War es nicht ursprünglich mal Aufgabe von Arbeitsamt und jobcenter, offene Stellen zu besetzen? War es nicht Aufgabe, das möglichst nachhaltig zu tun?
 Was wäre nachhaltiger, als sich motivierten und interessierten Menschen zu zu wenden und diese zu fördern und zu qualifizieren?
 Sicherlich nicht "Hatz" auf zu sanktionierende Menschen zu machen!

Ein paar "Drückeberger" gibt es in jedem System. Gab es vor Hartz IV, gibt es jetzt, wird es in jedem System geben.
 Umfragen zum Thema der Einführung eines BGE (Bedingungslosen Grundeinkommen) haben ergeben, dass deutlich mehr als 2/3 der Menschen weiterhin arbeiten würden - auch wenn sie sich durch diese Arbeit nur noch relativ wenig zum garantierten Grundeinkommen hinzu verdienen würden. Ebenfalls deutlich mehr als 2/3 aller Befragten gaben allerdings auch an, sie seien sicher, ihr Nachbar würde in diesem Falles sofort "alles fallen lassen" und nie wieder irgendetwas arbeiten ...!
 :-)

Das führt zum Thema Niedriglöhner. Es ist ein MÄRCHEN (!) manche ALG II - Bezieher hätten "mehr", als jemand der für schmales Geld arbeitet! Eine solche Konstellation ist schlicht unmöglich. Trotzdem wird das Märchen gerne erzählt. Von wem ersonnen, kann ich mir gut denken. Leider aber auch von vielen Niedriglöhner_innen weiter erzählt.
 Wer weniger als den ALG II - Satz verdient - kann dies durch das jobcenter aufstocken lassen. Dabei bleiben die ersten 100,- Euro des Verdienstes stets anrechnungsfrei. Meist mehr und je nach dem. Aber so ist es. Das ist das absolute Minimum, 100 mehr. Und weniger ist nicht "konstruierbar"!

In der Tat ist es natürlich heute so, dass ein Abstand bestehen soll, zwischen durchschnittlichen Löhnen und ALG II. Und der wurde zunehmend geringer über die Jahre.
 Da stimmt also etwas nicht, richtig. Doch ist es so: der ALG II - Regelsatz ist äußerst knapp bemessen. Und die Löhne sinken.
 BEIDES müsste erhöht werden. Das ALG II sollte auf ein menschenwürdiges Niveau angehoben werden. Zu Niedriglöhnern wäre dann letztlich kaum noch Unterschied.
 Dieses jedoch nur, weil in diesem Segment schon immer zu wenig gezahlt wurde - und weil dieses Wenige in den letzten Jahren noch weiter absank!
 Ein kräftige Erhöhung wäre also hier zeitgleich dringend angebracht!

Soweit einmal ein Teil der Fakten und Schlussfolgerungen, die das Argument "kein Freibrief für Faule!" deutlich widerlegen.

 Daher: 
Petition zeichnen - noch bis zum 18.12.2014 online. 
Wider die Sanktionen! 
https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2013/_10/_23/Petition_46483.html 

MfG
Burkhard Tomm-Bub, M.A.
Ex - Fallmanager

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Kommentare:

  1. Mitzeichnen der Petition 46483

    Vielen Dank für Ihre Registrierung und Ihre Mitzeichnung der Petition Arbeitslosengeld II - Abschaffung der Sanktionen und Leistungseinschränkungen (SGB II und SGB XII) Sie erhalten in Kürze eine E-Mail mit einem Link und Angaben zur Bestätigung des Vorgangs. Ihre Mitzeichnung wird nach der Bestätigung aktiviert. Liebe Grüße und Alles Gute. Brunello Burns

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