Dienstag, 7. Januar 2014

#UPDATE #ARD #jobcenter #PlusMinus #TommBub


#UPDATE #ARD #jobcenter #PlusMinus #TommBub

ENTSCHULDIGUNG

Verteiler: Mail, Blog, Netze

Ich verbreite sehr ungern falsche Informationen - auch wenn ich letztlich nichts dafür kann und die Änderungen unerwartet und kurzfristig erfolgen ...

Noch gestern verkündete ich überall die Mitteilung, dass am 08.01.2014 im Ersten (ARD) ab 21:45 Uhr bei PlusMinus auch ein Statement von mir mit gesendet wird, zum Thema "fragwürdige Maßnahmen", ggf. auch noch zum Thema "Sanktionen" der jobcenter.

Auch über die Dreharbeiten hatte ich in einem meiner Blogs berichtet:

http://kopfmahlen.blogspot.de/2013/12/wdr-plusminus-jobcenter-massnahmen.html

Nur einige Stunden später erreichte mich dann aber eine Mail der zuständigen Reporterin.
Ich zitiere da einfach mal wörtlich:

" ... Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass Sie nicht im Beitrag bei "PlusMinus" vorkommen. Es hat nichts mit Ihrem Interview und dem Inhalt zu tun - das war wirklich super. Nur habe ich heute erfahren, dass wir am Mittwoch noch ein aktuelles Stück in der Sendung haben und dadurch meine Sendezeit kürzer wird. Das bedeutet ich muss meinen Beitrag kürzen, das ist leider manchmal so. Deshalb muss ich die Gesprächsfrequenz mit uns beiden rausnehmen, weil ich sonst kaum Möglichkeiten zum kürzen habe. ..."

Dass ist für mich persönlich etwas peinlich, da ich falsche Infos weitergab, mir auf der Arbeit seinerzeit extra einen vorzeitigen Weggang erbitten mußte für den Dreh, etc.
Auch von der Sache her finde ich es aber sehr schade.
Ich bin da sehr enttäuscht, auch weil dies ja sehr wichtige Kollateral - Effekte gehabt hätte. Oftmals wird es ja so hingestellt, direkt oder indirekt, dass Inge Hannemann eine Besonderheit, ein "Einzelstück" ist. Quasi der einzige Insider, der / die öffentlich aufbegehrt gegen das jobcenter / Hartz IV.
Durch diesen kurzen Beitrag mit mir wäre dies in einem sehr verbreiteten Medium etwas aufgebrochen worden - und das ist nun gescheitert. Es ist sehr traurig und ärgerlich. Wirklich ein Rückschlag für die Sache. Es müsste natürlich nicht unbedingt ich sein. Norbert Wirsbin wäre genauso geeignet, und in mancher Hinsicht auch Marcel Kallwas. Schade, schade.

Es bleibt zu hoffen, dass der Rest des Beitrages interessant, wichtig und kritisch sein wird.
Und ich - muß, will und werde "dranbleiben". Und einige konkrete Ideen habe ich auch schon ...!

Tut mir leid, dass ich Sie / Euch falsch informiert habe. Entschuldigung!

MfG
Burkhard Tomm - Bub, M.A.
67063 Ludwigshafen
Ex - Fallmanager

P.S.: hier noch mein vorbereitetes scrip. Es wurde dann tatsächlich im Wesentlichen auch so "abgearbeitet", beim Dreh.

"Inhaltliche Skizze zum WDR Interview

OFF:

Auch Burkhard Tomm-Bub aus Ludwigshafen am Rhein war etliche Jahre Fallmanager im jobcenter. Von Anfang an, seit Januar 2005.
Ein qualifizierter und erfahrener. Bis er Ende 2011 "unfein hinaus gedrängt wurde", wie er es ganz klar wahrgenommen hat.
Einen Zusammenhang zu seiner konstruktiv- kritischen Einstellung zum Hartz IV - System will er dabei aber öffentlich nicht behaupten.
Weil er es nicht beweisen kann, wie er sagt.

...

WDR:
Welche Erfahrungen haben Sie persönlich mit `Maßnahmen vom jobcenter`?

BTB:
Es gibt da durchaus sinnvolle Dinge. Wenn es gelingt, einen zugelassenen, qualitativ hochwertigen Maßnahmeanbieter und einen für eine spezielle Fortbildung definitiv motivierten Kunden zusammen zu bringen - dann hat dies sehr oft für alle einen großen Nutzen und führt auch zum Erfolg. Leider ist das nur selten der Fall.

WDR:
Was ist der Grund hierfür?

BTB:
Da gibt es sehr viele. Die meisten Maßnahmen werden von einem so genannten "Einkaufszentrum" für das jobcenter eingekauft. Oft sehr kurzfristig und ohne wirkliche Beteiligung fachkundiger Menschen vor Ort, sprich der Arbeitsvermittler und Fallmanagerinnen.
Es besteht ein hoher Druck, die eingekauften Maßnahmen dann auch wirklich mit Kunden vollständig `aufzufüllen`.
Es wird da auch eine Konkurrenz aufgebaut unter den Abteilungen des jobcenters - wer schafft es, wie viele Maßnahme möglich "voll zu besetzen". Die Vorerfahrungen der Kundinnen und Kunden spielt dabei fast überhaupt keine Rolle mehr, so mein völlig klarer Eindruck.
Wer in einer Maßnahme steckt: der ist erst mal raus aus der Arbeitslosen - Statistik. So einfach ist das.

WDR:
Das vorrangige Ziel ist also nicht, Menschen möglichst sinnvoll zu qualifizieren, damit sie anschließend besser Arbeit finden?

BTB:
Meiner ganz klaren Meinung nach: Nein. Bestenfalls noch am Rande. Das ist aber nicht richtig - und das ist ja irgendwo auch eine Verschwendung von Steuergeldern, finde ich.
Statt realistische Maßnahmen anzubieten, bei qualifizierten Maßnahmeträgern, bestückt mit freiwillig teilnehmenden und motivierten ALG II - Bezieher_innen, wird vielmehr mit allen Tricks, mit Drohungen und Sanktionen zugesehen, dass die Statistik stimmt!

WDR:
Die Kunden werden also mit Sanktionen genötigt zu Schulungen, die sie nicht wollen, die oft gar nicht sinnvoll sind, oder solchen, die sie evtl. auch schon ein paar mal durchlaufen haben?

BTB:
Ja. Genau so habe ich das erlebt. Ok, qualifizierte Fallmanagerinnen haben ja zu den meisten ihrer Kunden ein gutes Verhältnis. Da wird dann auch schon mal mit dem einen oder anderen freundlich verhandelt, bei eiligen Maßnahmebesetzungen - und letztlich "sitzt" der Kunde dann dem Fallmanager zuliebe auch mal so eine Maßnahme "ab" ...
Aber im Grunde sind das ja doch auch alles wieder "sinnlose Rollenspiele", wie es ein langjähriger Ex- Kollege von mir immer gern nannte.
Der Trend geht aber leider aus verschiedenen Gründen in eine andere Richtung. Anhand dauerhaft weit überhöhter Fallzahlen, dem immer größeren Anteil von Kollegen mit, nun sagen wir, eigentlich `anderer beruflicher Qualifizierung` und dem steigenden und ausuferndem Controlling wird in den jobcentern zunehmend mit Druck, Drohungen und eben Sanktionen gearbeitet. Sanktionen um 10, um 30, um 60 und um hundert Prozent. Ich verstehe das alles schon lange nicht mehr. ALG II ist ein knapp bemessenes ExistenzMINIMUM! Wie kann man das denn noch derart kürzen? Statt zum Beispiel umgekehrt Anreize zu schaffen. Das ist wirklich unfassbar in einem demokratischen Land, das behauptet in christlicher Tradition zu stehen.

******* "

Erwähnt und von mir durch ein internes Mail (mit geschwärzten Namen) belegt, wurde zusätzlich noch die Existenz einer Sanktionsquote besprochen, die es ja angeblich laut BA gar nicht gibt.

MfG
BTB
07.01.2014

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