Donnerstag, 11. September 2014

Erwerbslose = faule Grippel! (S. Stracke, MdB)



Guten Tag, Herr Stephan Stracke, CDU/CSU, Jurist, geb. 1. 4.1974 in Marktoberdorf; römisch-katholisch; verheiratet!

Als offiziell bescheinigter Krüppel (oder "Grippel", wie Sie es wohl heiter auszudrücken pflegten) möchte ich Ihnen heute auch einmal etwas mitteilen.

Sie beliebten ja öffentlich im Bundestag Erwerbslose als "faule Grippel" zu bezeichnen, wie ich hören mußte.
Frau Kipping hat Ihnen ja dort dann direkt schon etwas dazu gesagt - leider war sie viel zu höflich, finde ich.
Jemand der so brachial austeilt wie Sie - den erreicht doch so etwas gar nicht mehr, oder?

Aber noch mal zu mir. Ein Krüppel bin ich in der Tat - zumindest in Ihrer christlich - sozialen Nomenklatur.
GdB 50%, Schwerbehinderter, anhand Krebserkrankung.

Ich war sogar eine Zeitlang mal ganz direkter Adressat Ihrer "heiteren Botschaft" - denn ich habe u.a. vor Jahren als Arbeitsloser eine Arbeitslosen - Initiative mitbegründet.
Damals hatte ich zwar noch keinen Krebs, verfing mich aber immer mehr in meiner Suchterkrankung (Schwerpunkt Alkohol / Tranquilizer). Dies ist übrigens eine Erkrankung, die selbst von den Krankenkassen bereits seit 1968 als solche anerkannt ist.

Christlich - soziale Menschen wie Sie traf ich damals nicht. Dafür aber andere, die halfen und mir Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichten.
Nach der Überwindung der Sucht und nun über zwei Jahrzehnten des zufriedenen, rückfallfrei abstinenten Lebens, passt es nun also nicht mehr so ganz mit dem "FAULEN Krüppel". Denn ich bin nun seit weit über 15 Jahren vollzeit im Öffentlichen Dienst beschäftigt, habe vordem ein Diplom und einen Magistergrad erworben.

Aber Krüppel - passt ja noch, bzw. wieder!
Und: es gibt weitere Berührungspunkte zu Ihrem Thema heute.
Denn ich war vor 2005 einige Jahre Sozialfachkraft im Sozialamt. Wissen Sie - das ist so etwas ähnliches, wie es die Fallmanager im jobcenter ursprünglich einmal sein sollten.
So ein Fallmanager war ich dann ab 2005 auch - bis 2011. Als ich da aus 16 Monaten Krebsbehandlung zurück kam, fand ich eine neue Führungsriege vor. Und wurde im Verlauf von 5 Monaten unschön hinaus gebosst (= mobbing durch Vorgesetzte). Ich passte da wohl mit meinen pädagogisch - psychologischen Ausbildungen, u.ä. nicht mehr so wirklich zur Truppe des ehem.  Bataillonskommandeurs Herrn F.J. Weise.

Als ehrenamtlicher Suchtkrankenhelfer, Diplom - Sozialarbeiter und als Erziehungswissenschaftler, sowie eben Ex - Fallmanager - verurteile und verabscheue ich Ihre Äußerung und Ihre entsprechende Attitüde zutiefst! Und als Mensch.

Ein anderer Mensch, der vor längerer Zeit lebte (ich weiß nicht, ob Sie je von ihm hörten, Jesus Christus der Name) sagte einmal sinngemäß: "Hasse die Tat - nicht den Täter!"
Das finde ich gut. Aber manchmal fällt das leichter - manchmal schwerer.

Herr Stephan Stracke, christlich - sozialer Politiker. Sie gehören nicht in den Bundestag. Sie sollten gehen. Dringend.

Gruß
Burkhard Tomm-Bub, M.A.
67063 Ludwigshafen
Ex - Fallmanager im jobcenter

https://www.facebook.com/video.php?v=824598260905502

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