Mittwoch, 26. Oktober 2016

DB Debakel Bodenlos

DB Debakel Bodenlos



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 Die Updates verkehren hier heute in der umgekehrten Reihenfolge!
Sprich: sie finden sich am Ende des Beitrages. :-)

Außer diesem: die DB hat nun doch noch konstruktiv reagiert, sich entschuldigt und einen 30,- Euro Gutschein spendiert! Wie angekündigt, werde ich diesen natürlich einer wohltätigen Organisation anbieten.
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Zunächst einmal. Ich bin ein freundlicher und großzügiger Mensch.
Wenn man mich lässt.
Am Samstag, den 22.10.2016 war das leider nicht der Fall.
Denn ich fuhr an diesem Tag mit der Deutschen Bahn AG.




















Als umweltbewusster, autoloser Mensch sah ich mich dazu gezwungen, da ich von Ludwigshafen am Rhein nach Dreieich (bei Frankfurt am Main) reisen wollte. Dort fand nämlich der hochinteressante BuchCon 2016 statt. 
Um 11 Uhr sollte Beginn sein und ich brach auch rechtzeitig auf. 
Eingetroffen... bin ich allerdings erst zwei Stunden später. Dafür erleichtert. Um zusätzliche 65,- Euro, um genau zu sein. 

Doch zunächst noch etwas anderes vorweg.
Ich verfüge über ein Jobticket. Stufe 7. 
Damit habe ich eigentlich ein ganzes Stück des Weges bereits bezahlt. Bis Guntersblum, um genau zu sein. 




Siehe Bild.













In der Praxis hatte sich bei früheren Gelegenheiten allerdings gezeigt, dass dies alles nicht so einfach ist. Umfangreiche Verhandlungen am DB-Schalter, komplizierte Rechnereien, wenn ein ICE beteiligt ist, etc. 
Nett wie ich bin, berücksichtigte ich derlei also gar nicht. 
Ich druckte mir am heimischen PC erst einmal einen Reiseplan aus.
... es gibt da übrigens eine Legende, dass immer wenn in Deutschland ein Bahnkunde sich so etwas ausdruckt, irgendwo anders mindestens ein DB-Angestellter lachend vom Stuhl fällt...
Wie dem auch sei. 









Wie zu sehen ist, gibt es sogar eine Gleisangabe auf dem topaktuellen Internet-Plan.
Das ist schön. Hatte allerdings einen winzigen Nachteil. 
Die Angaben stimmten nicht. 

Nun ja, das kann passieren. Zumal wenn zwei Gleise nebeneinander "heute geschlossen" sind. Wg. Bauarbeiten. 
Ich war sogar etwas früher in Mannheim. Vom Bahnhof Lu`-Mitte bis Mannheim Hbf ist es ja kaum weiter, als ich eine (Spielzeug-) Lokomotive werfen kann. 
Ich zog also am Bahnhof Ludwigshafen meine Fahrkarte inklusive Rückfahrt (siehe Bild) und machte mich auf den Weg. 



In Mannheim am angegebenen Bahnsteig angekommen, nahm ich die neuen Informationen auf der elektronischen Anzeigetafel zur Kenntnis. Bedauerlicherweise erschienen dort aber nicht die jeweils aktuellen Züge und die Info, wo diese denn heute wohl abführen. Sondern eben lediglich: "Beachten Sie bitte unsere Sonderaushänge!"
Ah, ...ja. 
Wo aber könnten diese zu finden sein?
Ich kombinierte messerscharf. Und, elementar (!), kam bald darauf zu dem folgerichtigen Schluss, dass diese sich dann wohl neben den NORMALEN Fahrplänen zu befinden hätten. 
Mitnichten. 
"Es irrt der Mensch so lang er strebt.", so sprach ja schon der alte Geheimrat Goethe im Faust. 
Selbige ballte ich dann auch ein wenig in der Tasche, als ich an zwei normal erhängten Fahrplänen eben KEINE "Sonderaushänge" visuell wahrnehmbar vorfand. 
Was tun? ... 

Doch in dem Moment. Geschah ein Wunder. Ein akustisches. 
Jahrzehntelang war ich fest davon ausgegangen, dass die Durchsagen über die Lautsprecheranlagen der DB ausschließlich in einem älteren und auch nur regional verbreiteten Kisuaheli (Swahili) vorgenommen werden!
Denn für mich klang das immer und stets so ähnlich wie: "Wah ehblebem öh, abatam alsal oktulub, wakata um äh! Apabatut at atulo etetem. Ato!" Usw. 
Oder so ähnlich zumindest.
Und nur damit wir uns nicht falsch verstehen: ich gönne allen Menschen und Volksgruppen, die dieses alten Kisuaheli-Dialektes noch mächtig sind, diesen kleinen Service vollauf!!

Doch nun. Glaubte ich tatsächlich auch für mich verständliche Wortfetzen in der laufenden Durchsage akustisch dekodieren zu können. 
Meine Sinne waren wohl anhand bereits dezent aufkeimender Verzweiflung und Desorientierung schon etwas geschärft. Und nun hörte ich noch genauer und konzentrierter hin, schloss die Augen. Lauschte intensiv. 

"Uugabfahrt noin ur dreinzwnzieg blamessige abfat eutäh aff glais aacht. I widrhoul e. Uugabfahrt noin ur dreinzwnzieg blamessige abfat eutäh aff glais aacht."

So in etwa. Konnte es möglich sein? Gleis 8?
Ich hastete dorthin, mittlerweile war die Zeit trotz früherem Eintreffen etwas knapp geworden...

Erleichterung! Tatsächlich war der Zug dort angeschlagen. Mit "voraussichtlich 5 Minuten Verspätung". Nun ja. Kein Thema. Die nächste Umsteigezeit sollte immerhin 24 Minuten betragen, abzüglich 10 Minuten Fußweg. Kein Problem. 
Ich vergewisserte mich, das alles stimmte. Und da fuhr der Zug auch schon auf die (verspätete) Minute genau ein. (Vielleicht hätte mich das ja misstrauisch machen sollen...)
Es gab freie Plätze, ich setze mich, entspannte, döste gar ein wenig, da ich in der Nacht zuvor nicht besonders lange geschlafen hatte. 
Doch schon bald nahte sich die engagierte Schaffnerin, sorry, Zugbegleiterin.
Ich reichte ihr meine Papiere und aufmerksam studierte und entwertete sie. Den mitgereichten Auszahlungsbeleg wies sie allerdings mit Anzeichen leichter Entrüstung zurück, den brauche sie nicht!
Gut denn.
Ich döste weiter. Das Leben, eine Zugfahrt konnte halt eben doch auch mal angenehm sein. 
Dachte ich. 
Irgendwie, irgendwann schlich sich eine Irritation in mein Unterbewusstsein. Doch warum? Ich schenkten dem zunächst weiters keine Beachtung und schlummerte mehr oder weniger weiter. 
Irgendwann aber stand ich dann doch mal auf. Sah aus dem Fenster. Eigentlich musste ich doch auch bald da sein. Ein Bahnhof. Hm. "Vaihingen"? Das kam mir unbekannt vor. 
Ich lief durch den Zug. Fand ein elektronisches Anzeigetäfelchen. Nächster Halt: Stuttgart.
Ähm. Das konnte doch nicht wahr sein... 

War es aber wohl. 
Vor meinem innere Auge stiegen Bilder auf. Unschöne. Sie hatten mit mir zu tun. Mit wehenden Haaren, erhobener Stimme, lange Klagemonologe führend am "Info-Point" der DB in Stuttgart.
Und ähnlichem. 
Doch dann flüsterte das imaginäre Engelchen auf einer meiner Schultern mir begütigend zu... 
Ok, ändern ließ sich jetzt nichts mehr. Bei ähnlichen Anlässen hatten sich hinter mir sich windende Schlangen anderer Ratsuchender gebildet, die von der Ausführlichkeit meiner Anliegen wahrlich nicht begeistert waren. 
Ich wollte doch auch noch einen angenehmen Tag in Dreieich verbringen. Und so weiter.

Doch nun ist es an der Zeit für ein Geständnis. Ein coming-out. Oder so.
Ich habe NICHT Geographie studiert.
Und, schlimmer noch, ich habe noch nicht einmal das komplette Streckennetz der DB auswendig im Kopf. 
Dies sträflich missachtend, stellte ich Überlegungen an.

a) Stuttgart und Frankfurt sind große / größere deutsche Städte. (Das stimmt auch.)

b) Beide Städte liegen östlich von Mannheim. (Das stimmt ebenfalls.)

c) Sie liegen, glaube ich, sogar beide nordöstlich von Mannheim. (Das stimmt nicht.)

Unabhängig von dem Irrtum in Punkt "c)" ist aber dennoch festzustellen, dass eine gerade Linie von Stuttgart nach Frankfurt KEINESWEGS Mannheim tangiert. (Siehe Bild.)
Und dass jemand, der glaubt, zwei große deutsche Städte verfügten über eine zügige (und zughafte) Direktverbindung, nicht zwingend als grenzdebil eingestuft werden muss.
  






















Was soll das alles?
Nun. Ich beschloss am nächsten Automaten, OHNE Kontakt zu Wesenheiten der DB, friedlich eine Fahrkarte Stuttgart - Frankfurt zu ziehen und den nächstmöglichen Zug dorthin zu nehmen. 

Was ich auch tat. Der Fahrpreis kam mir etwas hoch vor, 65 Euro. 
Nun ja. 




Ich stieg ein und konnte dann mein Leben in vollen Zügen genießen. Bzw. in EINEM vollen Zug. 
Sitzplätze gab es nicht mehr. Unschuldige vermittels meines Schwerbehinderten - Ausweises von ihrer Sitzgelegenheit zu vertreiben, hatte ich aber nicht das Herz. (Für Neuleser*innen: Nein, die Behinderung ist NICHT geistig, nur körperlich.)
Interessiert, aber auch recht verwundert, nahm ich dann etliche Zeit später wahr- dass wir auch durch Mannheim rollten (und natürlich auch dort anhielten)...  
Ähm. 
Tja. 

Nun gut. Irgendwann kam ich an, zwei Stunden später als voraus geplant. Leider. Zwei interessante Programmpunkte verpasst.
Und viel bezahlt. Wenn ich das logisch richtig erschließe, so manches Teilstück mehrfach. Guntersblum <---> Mannheim sogar vierfach... 





Bleibt etwas nachzutragen? Aber sicher. Die Rückfahrt!













Dazu zunächst einige Anmerkungen. 
Anders als auf dem Plan zu sehen, fuhr ich zwei Stunden früher (wg. erschöpft.)
Das spielt aber keine Rolle, weil im fraglichen Zeitraum eine exakte Stundentaktung stattfand, d.h. alles war mehrfach hintereinander im Stundenabstand gleich. 
Mit der Ausnahme, dass die Übergangszeit ein oder zwei Minuten kürzer war.
Wie man sieht, gab diesmal mein Plan auch keine Bahnsteig-Angabe her.

Dennoch lag ich gar nicht mal so schlecht. Ich war immerhin bereits auf der obersten Treppenstufe, als der Anschlusszug abfuhr...
Der nächste auf dieser Strecke: in einer Stunde! 
Ich muss gestehen, dass in diesem Moment tatsächlich ein gewisser Anflug von Unmut mein Gemüt umwölkte. 





Ich dachte nach und disponierte um. Ich würde doch früher weiter fahren und zwar die andere Strecke über Frankfurt. 
So geschah es auch. 

Dort angekommen, zog ich mir eine Nummer für die Auskunft und erfuhr einige Zeit später, dass (wie befürchtet) in meiner Rückfahrt KEIN ICE eingeschlossen war. 
Nicht schlimm, es war dann nur 1,80 Euro Aufschlag zu zahlen. 











Auch erhielt ich Auskunft, wann und wo der nächste passende Zug abführe. 
Das war sehr nett. 
Hatte nur einen kleinen Fehler. Es stimmte nicht. 

Jedoch waren mir nun Hermes / Cissonius gnädig!
An der Anschlagtafel sah ich etwas mit "Karlsruhe". Hm, so ungefähr stimmte die Richtung. Aber doch eigentlich nicht so ganz, oder?
Mittlerweile etwas misstrauisch geworden war ich froh, die entsprechende Zugbegleiterin noch vor dem Bahngefährt wahrzunehmen. Ich frug sie, ob denn dieser Zug auch wirklich über Mannheim führe.
Was sie sofort entrüstet zurück wies! 
Meine nächste Frage war: "Aber warum sagte mir das denn dann Ihre Kollegin in der Information ganz klar so?"
 ... 
Stille senkte sich über den Hauptbahnhof Frankfurt am Main. Kein Käuzchen klagte, keine Grille zirpte. Ein doch recht angespanntes Schweigen dräute herauf und hielt einige Zeit an. 
Keine Antwort.
Irgendwann wurde mir klar, dass dieses Erstarren in Zeit und Raum niemanden konstruktiv weiter brächte. 
So erkundigte ich mich denn freundlich, ob bekannt sei, wie anders ich denn nun an den heimischen Herd käme. 

Kurz vergewisserte sich die Dame, dass sie noch einen Moment Zeit habe und zog dann ihr elektronisches Gerät zu Rate.
Schnell öffneten sich dann wohl auch die virtuellen Tore der DB-eigenen Akasha-Chronik vor ihrem Antlitz, denn sie konnte mir schon bald darauf mitteilen, dass es etwa eine Viertelstunde später auf direktem Wege auf Gleis sowieso weiter ginge. 

Zu meiner Überraschung verlief der Rest der Reise dann weitgehend störungsfrei und normal. 
Einen misstrauischen und evtl. leicht paranoiden Gesichtsausdruck dürfte ich aber evtl. beibehalten haben, bis dann endlich die eigene Wohnungstür wieder hinter mir zu klappte...

Noch zwei Nachträge, liebe DB.

Falls Ihr zu der Auffassung kämet, Ihr seied mir etwas schuldig.
Habt Ihr völlig recht.
So unwahrscheinlich es ist. Aber falls Ihr sogar an eine materielle Entschädigung denkt: ich persönlich werde sie nicht annehmen. 
Denn ich möchte mich nicht dem Verdacht der materiellen Orientierung aussetzen.
Offen hingegen bin ich für dergleichen, wenn ich es weiterleiten kann, an wohltätige Zwecke. Belegbar und belegt, versteht sich. 

Wie ihr wisst, habe ich Euren Gutschein für das, was ihr mir seinerzeit so alles auf der Bahnfahrt Ludwigshafen - Bochum und zurück angetan habt, an die Angehörigen für Krebskranke e.V. weiter geleitet. Ein ähnlicher Zweck würde sich auch diesmal finden. 

Aber ich denke ohnehin eher, Euch interessiert das alles grad überhaupt nicht...




Nehmt aber zur Kenntnis: ICH bin NICHT amüsiert!






















Gruß
Burkhard Tomm-Bub, M.A.
67063 Ludwigshafen









Bildquellen: wikipedia/eigene:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

UPDATE 1 (29.010.2016)
(Vergrößerung durch anklicken.)







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Kommentare:

  1. Das ist ja Stoff für einen Kurzroman.... Oder ist es gar schon einer?

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  2. Ich denke das Debakel begann mit Gutersblum.....über Mannheim nach Dreieich, das hätte dich stutzig machen sollen

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  3. lustig ist die Geschichte allemal...die Bilder dazu auch :-))

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  4. Danke, Marianne.
    Und ist ja wenigstens mal noch etwas Gutes am Ende heraus gekommen!
    MfG
    BTB

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