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Freitag, 16. Januar 2026

#MECFS / Die „neue“ ICD-10-GM (deutsche Modifikation) Besser? Schlechter?

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ME/CFS #MECFS / Die „neue“ ICD-10-GM (deutsche Modifikation)
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Diese jährliche "Reparatur" erübrigt, nebenbei gesagt, in keiner Weise die Einsetzung der nächsten ECHTEN Erneuerung in Form der ICD-11, die in D überfällig ist.

Anhand diverser kursierender Einzelinformationen habe ich mal etwas recherchiert.
Das Ergebnis war folgendes.

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Aufsplittung von G93.3 – ja, das stimmt im Kern

In der ICD-10-GM (deutsche Modifikation) wird der bisherige Sammelcode G93.3 tatsächlich feiner untergliedert. Vorgesehen bzw. bereits eingeführt (je nach Jahrgang) sind:

G93.30
Chronisches Fatigue-Syndrom, postinfektiös
Inkl.: Myalgische Enzephalomyelitis, postinfektiös

G93.31
Chronisches Fatigue-Syndrom, nicht postinfektiös
Inkl.: Myalgische Enzephalomyelitis, nicht postinfektiös

G93.39
Chronisches Fatigue-Syndrom, nicht näher bezeichnet
Inkl.: CFS o. n. A., ME o. n. A.

Das ist korrekt.
Der alte G93.3 als „Endcode“ ist damit nicht mehr abrechnungsfähig, sondern nur noch eine Art Überschrift.

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AU-Bescheinigung: G93.3 „nicht mehr kodierbar“ – ebenfalls korrekt

Für AU, Abrechnung und Statistik gilt:

Nur endständige Codes (also z. B. G93.30) sind zulässig.
G93.3 allein reicht nicht mehr.
Das ist formal sauber – praktisch aber eine Hürde, weil:
Ärzt:innen sich festlegen müssen (postinfektiös vs. nicht),
was in der Realität oft nicht eindeutig oder nicht dokumentiert ist.

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R-Codes R53.0 / R53.1 – das ist der heikle Teil

Die neuen Codes:

R53.0
Chronische Fatigue mit Angabe einer post-exertionellen Malaise (PEM)

R53.1
Chronische Fatigue ohne Angabe einer PEM

Diese Codes existieren bzw. werden eingeführt – das stimmt.

ABER (wichtig!):
R-Codes sind Symptomcodes, keine Krankheitsdiagnosen.
Sie sind nicht zusätzlich, sondern alternativ zu verwenden,
wenn keine gesicherte ME/CFS-Diagnose gestellt wird.

Die Aussage:

„Die R-Codes exkludieren sogar die ME/CFS-Codes“
ist inhaltlich richtig, aber erklärungsbedürftig:

Wer ME/CFS (G93.30 ff.) kodiert, soll KEINE R53-Codes parallel setzen.
Wer (noch) kein ME/CFS diagnostiziert, kann R53.0 oder R53.1 verwenden.

Ist das eine Verbesserung oder eine Verschlechterung?

Verbesserungen:

Differenzierung
Postinfektiös vs. nicht postinfektiös ist medizinisch sinnvoll.
ME ≠ „diffuse Erschöpfung“.
PEM wird explizit benannt
Das ist fachlich korrekt und international anschlussfähig.
PEM als Kernmerkmal wird nicht mehr ignoriert.
Annäherung an ICD-11-Logik

Auch wenn Deutschland weiter an der ICD-10 klebt:
Das ist ein Schritt weg vom völligen Wildwuchs.


Probleme und reale Risiken

Abwertung durch R-Codes
R53.x kann leicht als „Befindlichkeitsstörung“ missbraucht werden.
Gefahr:
„Sie haben ja nur Fatigue, kein ME/CFS.“


Diagnostische Zurückhaltung wird belohnt
Wer sich nicht traut, G93.30 zu kodieren, weicht auf R53 aus.
Das schwächt Patient:innen bei:
Erwerbsminderungsrente
GdB
Reha
Langzeit-AU
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Mehr Bürokratie, nicht mehr Versorgung

Die Kodierung ist präziser,
die Versorgung bleibt aber unpräzise.

Ohne Fortbildung und klare Leitlinien verpufft der Fortschritt.

Die politische und systemische Wahrheit dahinter

Diese Änderungen sind technisch korrekt, aber systemisch ambivalent:
Sie könnten ME/CFS stärken
sie können aber auch als Filter dienen:
„Zu speziell, zu unklar, zu wenig gesichert“

FAZIT
Ja, die Änderungen sind real.
Ja, sie enthalten sinnvolle medizinische Differenzierungen.
Aber: Ohne klare Positionierung pro ME/CFS als schwere neuroimmunologische Erkrankung besteht die Gefahr, dass ein Teil der Betroffenen nach unten in Symptomcodes abrutscht.

Kurz gesagt – mit einem Hauch Ironie:
Die ICD wird genauer.
Das System nicht unbedingt menschlicher.